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Die marokkanische Hochzeitsfeier

04.11.2010
Die marokkanische Hochzeitsfeier

...ist ein Erlebnis wert!

Vor allem als Braut!

Den ganzen Tag über kamen immer mehr Leute ins Haus.

Als wir gegen 10Uhr ankamen waren gerade die Leute mit dem Zelt (was auf dem Dach aufgebaut werden sollte) angekommen.

Sofort stürzte sich mein Mann in die Arbeit und half die Teile in die 3. Etage zu schleppen. Ganz kurz sagte er mir, dass ich ja mit hoch kommen könnte um Fotos zu machen - na klar.

Also schaut ich mir das ganze an, wie sie dieses riesige Gestell aufbauten, die Plane drüber zogen, um dann alles aufzurichten.

Wir hatten alle viel Spaß dabei.

Dann kam die Friseusin, um meine Haare in AUgenschein zu nehmen...ob ich etwas gegen ein Haarteil hätte, für die Frisur? Natürlich nicht.

Anschließend wurde gegessen. Da inzwischen soviele Leute da waren, wurde getrennt gegessen - in einem Zimmer die Männer, in dem anderen die Frauen.

Nach einer Entspannungstour zu einem Café war dann auch bald die Zeit gekommen, zum Friseur zu gehen.

Die junge Frau platzierte mich auf eine Liege, dann wurde auch gleich losgezupft und gecremt. Die AUgenbrauen wurden in Form gebracht (war nötig :) und dann wurde mit dem Make-up begonnen - bitte nicht so doll und wenig bunt, also natürlich - natürlich!

Nachdem meine Augen gefühlte 30min bemalt wurden, wurde etwas Glitzer aufgetragen, ein paar Steinchen dazu (mit klaren Nagellack fixiert!) und schließlich auch die Lippen.

Irgendwann durfte ich mich auch mal im Spiegel betrachten - das bin doch nicht ich!

Es ging weiter - die Haare musste gemacht werden. Es wurde gezogen, gegelt, gedreht, fixiert uws. Mein Kopf tat allein von der Frisur schon weh.

Aber wow...im Spiegel war eine fremde Frau zu sehen - schick, aber fremd mit marokkanischem Make-Up.

Und schon ging es weiter ... die Negafas waren angekommen und steckten mich in ein spezielles Kleid - 3teilig und mit Schleppe!

Dann kam der dazugehörige Schmuck dran - Ohrklips, Collier und Krone - alles mit Swarowski-Kristallen besetzt!

Nun durfte ich darauf warten, dass Said mich abholt. Die Nadeln, mit denen die Krone fixiert waren, brannten so sehr, dass mir fast die Tränen kamen.Also wurde sie wieder abgenommen. Eine weitere Nadel wurde gezogen und neu fixiert, so dass mir der Kopf weniger weh tat. Dann wurde die Krone wieder festgesteckt.

Schließlich kam mein Said - in schickem Nadelstreifenanzug und dem cremefarbenen Schlips, den ich ihm geschenkt hatte.

Mit dem Auto sind wir vom Friseur zum Haus seiner Eltern gefahren. Mit Schleppe und Schleier über den Armen betrat ich das Haus. Alle Frauen und Männer (?) begannen einen traditionellen Gesang, der für europäische Ohren sehr fremd und laut ist, aber viel Glück bringen soll.

Ich wurde in ein Zimmer mit lauter Frauen geleitet, wo wir zunächst zu zweit saßen. Dann musste Said nochmal irgendwo hin...und ich saß da...zwischen lauter marokkanischen Frauen, nur wenige davon kannte ich.

Irgendwann kam Said zurück und brachte mich in ein anderes Zimmer "Hier ist es kühler" - danke, aber mir ist schon kalt.

Na gut, mein Mann schließt also schnell die Fenster wieder und packt mich in eine Kuscheldecke ein. Inzwischen kamen auch die Negafas an. Als Said wieder gegangen war, zogen sie sich um. Mir wurde für die Zwischenzeit der Gürtel abgenommen, der mir beim Sitzen doch auf den kleinen Bauch drückte.

Schließlich wurde mir wieder alles angelegt, das Make-up nachgezogen und die Haare gerichtet.

Nun warteten wir auf Said. Wir hörten schon die Musik eine Etage über uns. Und wir amüsierten uns so auch ganz gut, denn die Negafas waren alte Kolleginnen von Said.

Als Said dann kam und wir Einzug in das Festzelt auf der 3. Etage hielten, wurde wieder lauthals gesungen.

Sein Freund Mohammed machte die ersten Fotos und lief voraus, um den Kameramann zu positionieren.

So wurde also unser Einzug mit Fotos und Kamera festgehalten. Wir durften eine Runde durch die Menge gehen. Dann wurde ich gleich zu der Sänfte geleitet - oder wie man das Teil nennen soll.

In dem Teil sitzend wurde es von 4 starken Männern hochgehoben und ich wurde quasi auf Schultern im Rhytmus durch den Raum getragen. Keiner hatte mir gesagt, dass man dafür seefest sein muss :D, aber mein Magen war doch relativ ruhig geblieben.

Anschließend mussten wir vor der Barza (dem Hochzeitstron) posieren, dann darauf und schließlich ließ sich so ziemlich jeder Gast mit uns fotografierren.

Dann kamen die Negafas auch schon, um mich wieder in das andere Zimmer zu begleiten - für ein neues Outfit.

Insgesamt hatte ich so 5 Kleider an. Auch Said hatte 3 Outfits an. Immer hielten wir uns einige Zeit in dem Raum auf. Dann wieder nach oben mit Gesang...ein Haufen Fotos...manchmal auch tanzen.

Als ich das letzte Kleid - mein Traukleid - anhatte und Said wieder seinen Anzug, da wurde ruhigere Musik gespielt - es war auch schon ca 3Uhr morgens.

Auf dem Tischchen vor unseren Plätzen war ein Tablett mit gefüllten Datteln und 2 Schälchen mit Milch platziert worden.

Nach ein paar Fotos setzten wir uns hin. Familie und Freunde kamen dichter, um genau zu sehen, wie wir uns gegenseitig mit Datteln fütterten und uns Milch zu trinken gaben - eine marokkanische Tradition, mit der die Ehe besieget ist (glaub ich).

Nun erklang - ganz ungewöhnlich - Celine Dion mit "My heart will go on" und wir zwei tanzten Arm in Arm.

Danach löste sich die Festgesellschaft ziemlich schnell auf.

Gegen 4Uhr war alles vorbei. Gegen 5Uhr waren wir im Bett...endlich.

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Antje und Said